Page 8 - Adlershof Journal November/Dezember 2015
P. 8
NACHGEFRAGT
Lisa Paasch, 25, Biochemikerin am Institut
Maik Pickl, 34, Student am Institut für Mathematik für Chemie Humboldt-Universität zu Berlin:
der Humboldt-Universität zu Berlin (HU):
„Ich tausche und teile zum Beispiel in meinem Freundeskreis. Wir sind
„In den Kreisen, in denen ich mich bewege, spielt Eigentum keine große Rolle. eine Gruppe von etwa zehn Leuten. Meine Freundin ist diejenige, die
Da geht es eher um funktionales Benutzen. Ich finde es auch viel gesünder, immer mal wieder Klamotten aussortiert. Dann treffen wir uns alle,
wenn man sich nicht übermäßig an materielle Dinge oder Statussymbole probieren die Sachen gemeinsam an und bringen den Rest zur Alt-
bindet. Das gilt sogar für die Forschung: Während in früheren Jahrhunderten kleidersammlung. Echt sinnvoll und sehr unterhaltsam. Ich wohne
Forschungsergebnisse noch wie Staatsgeheimnisse gehütet wurden, gibt es im Moment noch bei meinen Eltern, das ist natürlich sehr praktisch.
jetzt eine richtige Bewegung gegen Pay-Walls. Es gibt auch eine Plattform Wenn ich demnächst umziehe, werde ich Dinge, die ich benötige,
im Netz, die wissenschaftliche Artikel frei zugänglich macht, so dass man sie gebraucht über eBay-Kleinanzeigen besorgen. Elektrogeräte wie
nicht, wie bei den gängigen Wissenschaftspublikationen üblich, gegen Geld der Wasserkocher, der momentan bei mir nur rumsteht, will ich einem
kaufen muss. Wie weitverbreitet der Gedanke des Teilens letztlich in der ge- Flüchtlingsheim spenden. Teilen ist sinnvoll: Was der eine nicht mehr
samten Gesellschaft ist, kann ich nicht beurteilen. Für mich ist er jedenfalls braucht, kann ein anderer gut verwenden.“
wichtig. Ich erlebe es auch so, dass man in Berlin viel mehr teilt, tauscht und
verschenkt als in ländlichen Regionen. Ich wohne im Studentenwohnheim
hier in Adlershof und kenne es, dass eine Bücherkiste im Haus steht oder
sogar eine für Klamotten.“
Susanne und Helmut Glitt aus Gütersloh, Birgit
und Rudi Klein aus Esslingen, 55 und 61
„Wir sind zum Sightseeing nach Adlershof gekommen, weil wir
nicht einfach nur die klassischen Berliner Touristenstrecken ab-
klappern wollten. Echt spannend! Heute teilen wir den Reisefüh-
So lebt und teilt es sich in Adlershof rer, zu Hause vor allem innerhalb der Familie. Also die Autos, das
Fahrrad, das Werkzeug. Bei uns gibt es keine Tabus. Besonders die
Teilen Sie gern? Tauschen Sie Wissen, Bücher oder gar Ihre Wohnung? Nutzen Sie Kinder teilen alles, auch die Klamotten und den PC. Mit unseren
Mitfahrgelegenheiten? Im Internet wird gesucht, geteilt, getauscht und gefunden Nachbarn teilen wir zu fünft den Holzspalter und den Traktor.
– so schnell und unkompliziert wie nie zuvor. Sind wir alle damit Teil einer neuen Oder auch die Fahrradträger fürs Auto.“ Susanne Glitt: „Und ich
teile mein Strickwissen! Ab Montag beschäftige ich Kinder und
globalen Wirtschaftsform, der Sharing Economy? Redakteurin Jördis Götz hat Jugendliche in einer Flüchtlingsunterkunft.“
Stimmen dazu im Technologiepark Adlershof eingesammelt.
Moritz Tittel, Medizinstudent an der HU
Simone Mattert, 52, Mitarbeiterin im und Schauspieler, 37
Jugendamt Treptow-Köpenick:
„Wenn ich überlege, was ich in letzter Zeit geteilt habe, fällt mir zuerst das
„Das Thema Teilen erlebe ich vor allem durch meine Kinder, die via Script ein, das mir eine Kommilitonin zur Prüfungsvorbereitung gegeben
Couchsurfing Europa und die Welt erkunden. Ich habe letztes Jahr mei- hat. Das fand ich einfach klasse! Als ich sie fragte, ob ich ihr dafür etwas
nen Urlaub im Haus einer schwedischen Familie verbracht, die ihrerseits geben könnte, hat sie vorgeschlagen, dass ich ihr im kommenden Semes-
ins Ferienhaus gefahren waren. Hut ab, ich hätte das wohl selbst nicht ter mit meinen Mitschriften und Unterlagen weiterhelfen könnte. Beim
gemacht. Tauschen und teilen ist bei den jüngeren Leuten mehr verbrei- Lernen ist mir aufgefallen, dass man dadurch einen ganz anderen Blick-
tet. Das ist auch vernünftig. Wenn man mal ehrlich ist, leben wir ja alle winkel auf das Thema erfährt. Also auch ein echt guter Wissensaustausch.
irgendwie im Überfluss und es ist vernünftig, den zu teilen.“ Ansonsten haben meine Frau und ich für das Flüchtlingsheim in der
Rudower Straße gespendet: Kinderfahrräder, Kleidung und Spielzeug. “
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PS: Was teilt eigentlich die Reporterin? Ja was, frage ich mich zunächst und muss richtig überlegen. Wahrscheinlich, weil
es so selbstverständlich ist. Nach und nach fällt es mir ein: Kinderklamotten, Spielzeug – logisch, paketweise! Ich teile auch
die Pizza, wenn unser Nachbar keine Zeit zum Kochen hat. Und wenn ich es recht überlege, besteht ein Viertel meiner
Einrichtung aus gebrauchten Möbeln, natürlich zusammengesucht übers Internet. Was ich selbst nicht mehr brauche, wird
Technische Gebäudeausrüstung Gesamtplanung HLSKE mit DDS-CAD eingestellt. Zack. Weg. Online suche ich auch Mitfahrer, um Reisestrecken mitzufinanzieren und das ökologische Gewissen zu
BIM [Building Information Modeling] Gebäudeautomation Elektroanlagen engineering beruhigen. jd
www.rusz.de info@rusz.de 12489 Berlin Am Studio 20 A +49 30 44 37 70 30
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Lisa Paasch, 25, Biochemikerin am Institut
Maik Pickl, 34, Student am Institut für Mathematik für Chemie Humboldt-Universität zu Berlin:
der Humboldt-Universität zu Berlin (HU):
„Ich tausche und teile zum Beispiel in meinem Freundeskreis. Wir sind
„In den Kreisen, in denen ich mich bewege, spielt Eigentum keine große Rolle. eine Gruppe von etwa zehn Leuten. Meine Freundin ist diejenige, die
Da geht es eher um funktionales Benutzen. Ich finde es auch viel gesünder, immer mal wieder Klamotten aussortiert. Dann treffen wir uns alle,
wenn man sich nicht übermäßig an materielle Dinge oder Statussymbole probieren die Sachen gemeinsam an und bringen den Rest zur Alt-
bindet. Das gilt sogar für die Forschung: Während in früheren Jahrhunderten kleidersammlung. Echt sinnvoll und sehr unterhaltsam. Ich wohne
Forschungsergebnisse noch wie Staatsgeheimnisse gehütet wurden, gibt es im Moment noch bei meinen Eltern, das ist natürlich sehr praktisch.
jetzt eine richtige Bewegung gegen Pay-Walls. Es gibt auch eine Plattform Wenn ich demnächst umziehe, werde ich Dinge, die ich benötige,
im Netz, die wissenschaftliche Artikel frei zugänglich macht, so dass man sie gebraucht über eBay-Kleinanzeigen besorgen. Elektrogeräte wie
nicht, wie bei den gängigen Wissenschaftspublikationen üblich, gegen Geld der Wasserkocher, der momentan bei mir nur rumsteht, will ich einem
kaufen muss. Wie weitverbreitet der Gedanke des Teilens letztlich in der ge- Flüchtlingsheim spenden. Teilen ist sinnvoll: Was der eine nicht mehr
samten Gesellschaft ist, kann ich nicht beurteilen. Für mich ist er jedenfalls braucht, kann ein anderer gut verwenden.“
wichtig. Ich erlebe es auch so, dass man in Berlin viel mehr teilt, tauscht und
verschenkt als in ländlichen Regionen. Ich wohne im Studentenwohnheim
hier in Adlershof und kenne es, dass eine Bücherkiste im Haus steht oder
sogar eine für Klamotten.“
Susanne und Helmut Glitt aus Gütersloh, Birgit
und Rudi Klein aus Esslingen, 55 und 61
„Wir sind zum Sightseeing nach Adlershof gekommen, weil wir
nicht einfach nur die klassischen Berliner Touristenstrecken ab-
klappern wollten. Echt spannend! Heute teilen wir den Reisefüh-
So lebt und teilt es sich in Adlershof rer, zu Hause vor allem innerhalb der Familie. Also die Autos, das
Fahrrad, das Werkzeug. Bei uns gibt es keine Tabus. Besonders die
Teilen Sie gern? Tauschen Sie Wissen, Bücher oder gar Ihre Wohnung? Nutzen Sie Kinder teilen alles, auch die Klamotten und den PC. Mit unseren
Mitfahrgelegenheiten? Im Internet wird gesucht, geteilt, getauscht und gefunden Nachbarn teilen wir zu fünft den Holzspalter und den Traktor.
– so schnell und unkompliziert wie nie zuvor. Sind wir alle damit Teil einer neuen Oder auch die Fahrradträger fürs Auto.“ Susanne Glitt: „Und ich
teile mein Strickwissen! Ab Montag beschäftige ich Kinder und
globalen Wirtschaftsform, der Sharing Economy? Redakteurin Jördis Götz hat Jugendliche in einer Flüchtlingsunterkunft.“
Stimmen dazu im Technologiepark Adlershof eingesammelt.
Moritz Tittel, Medizinstudent an der HU
Simone Mattert, 52, Mitarbeiterin im und Schauspieler, 37
Jugendamt Treptow-Köpenick:
„Wenn ich überlege, was ich in letzter Zeit geteilt habe, fällt mir zuerst das
„Das Thema Teilen erlebe ich vor allem durch meine Kinder, die via Script ein, das mir eine Kommilitonin zur Prüfungsvorbereitung gegeben
Couchsurfing Europa und die Welt erkunden. Ich habe letztes Jahr mei- hat. Das fand ich einfach klasse! Als ich sie fragte, ob ich ihr dafür etwas
nen Urlaub im Haus einer schwedischen Familie verbracht, die ihrerseits geben könnte, hat sie vorgeschlagen, dass ich ihr im kommenden Semes-
ins Ferienhaus gefahren waren. Hut ab, ich hätte das wohl selbst nicht ter mit meinen Mitschriften und Unterlagen weiterhelfen könnte. Beim
gemacht. Tauschen und teilen ist bei den jüngeren Leuten mehr verbrei- Lernen ist mir aufgefallen, dass man dadurch einen ganz anderen Blick-
tet. Das ist auch vernünftig. Wenn man mal ehrlich ist, leben wir ja alle winkel auf das Thema erfährt. Also auch ein echt guter Wissensaustausch.
irgendwie im Überfluss und es ist vernünftig, den zu teilen.“ Ansonsten haben meine Frau und ich für das Flüchtlingsheim in der
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es so selbstverständlich ist. Nach und nach fällt es mir ein: Kinderklamotten, Spielzeug – logisch, paketweise! Ich teile auch
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